2018BlogMediation

Im Interview erklärt Claudia Schelp, warum sie von der Architektin zur Mediatorin wurde

Haben Sie genug davon, dass Streit und Konflikte Ihre Projekte lähmen? Unserer Kollegin Claudia Schelp ging das so und sie wurde von der hauptberuflichen Architektin zur erfolgreichen Mediatorin. Um zu zeigen, was Mediation ausmacht, haben wir Frau Schelp für Sie interviewt.
Claudia, bevor wir auf Deinen spannenden Lebensweg eingehen, kannst Du unseren Lesern in knappen Worten erklären, was Mediation ist?

Mediation bedeutet in Kurzform Vermitteln zwischen Konfliktparteien. Als Mediatorin unterstütze ich die Beteiligten darin, gemeinsam eine Lösung für ihren Konflikt zu finden, dabei fördere ich konstruktive Kommunikation, das gegenseitige Zuhören und Verstehen und das Erkennen dessen, was jedem Einzelnen in der Situation wichtig ist. Das Mediationsverfahren ist ein strukturierter Prozess, in dem die Beteiligten schrittweise auf eine gemeinsame Lösung hinarbeiten.

Du bist ausgebildete Architektin und hast 15 Jahre in der Baubranche gearbeitet. Was hat Dich dazu bewogen Mediatorin zu werden?

Als Projekt- und Bauleiterin habe ich festgestellt, dass bei Bauprojekten mit so vielen unterschiedlichen Beteiligten, Konflikte nicht zu vermeiden sind. Deshalb wollte ich meine Kompetenzen im Umgang mit Konflikten ausbauen und habe mich für eine Ausbildung zur Mediatorin bei der Bayerischen Architektenkammer entschieden.

Während der Ausbildung habe ich dann erfahren, welche Möglichkeiten es gibt, Konflikte konstruktiv anzugehen, kooperative Lösungen zu finden und dass Konflikte auch eine Chance sind, um die Zusammenarbeit langfristig zu verbessern. Dieses Wissen wollte ich anwenden und weitergeben, damit das Miteinander Bauen und Arbeiten leichter wird. Jetzt bin ich als Mediatorin, Moderatorin bei Beteiligungsprozessen, Beraterin und Trainerin tätig.

Kannst Du ein oder zwei Beispiele für Projekte nennen, denen Du aus der Patsche geholfen hast?

Im Allgemeinen ist es nicht so einfach, über konkrete Mediationsverfahren zu sprechen, weil Mediation immer Vertraulichkeit voraussetzt.

Im Öffentlichen Bereich war ich am Verfahren „Zukunft Landwehrkanal in Berlin“ beteiligt. Dort ging es darum, eine gute Lösung für die Sanierung des Landwehrkanals –  im speziellen der unter Denkmalschutz stehenden Ufermauer –  zu finden. Dort waren über 20 verschiedene Konfliktparteien beteiligt. Anliegen war unter anderem, die Bäume am Kanal zu retten, den Kanal für die Reedereien wieder schiffbar zu machen, eine Sanierungsmethode zu finden, die wenig Lärm und Abgase verursacht usw. Das Mediationsverfahren hatte 2013 einen erfolgreichen Abschluss mit einer Lösung für die Sanierung, die von allen für gut befunden wurde. Da es ein Verfahren im öffentlichen Bereich ist, ist es sehr gut dokumentiert (siehe www.landwehrkanal.mediatorgmbh.de).

In einem anderen Fall ging es darum, ein Team in der Gesundheitsbranche, das an unterschiedlichen Standorten arbeitete, darin zu unterstützen, wieder gut miteinander arbeiten zu können. Dabei tauchten einige Konflikte aus der Vergangenheit auf, die seit Jahren nicht bearbeitet worden waren. Eine Baugruppe aus über 20 Wohneinheiten hatte sich über die Schlussrechnung mit dem Architektenteam verstritten. In der Mediation stellte sich heraus, dass es wichtig war, auch den Bauprozess nochmal zu reflektieren, um alten Ärger und Enttäuschung loslassen zu können, die nichts speziell mit der Schlussrechnung zu tun hatte.

Wie siehst Du Deine Rolle als Mediatorin?

Ich unterstütze die Menschen darin, wieder zu einer konstruktiven Kommunikation zu finden und den Blick zu weiten für neue Lösungsoptionen. Als Mediatorin mache ich keine Lösungsvorschläge, denn jeder ist Experte für seinen Konflikt, seine eigenen Interessen und Bedürfnisse und kann deshalb selbst am besten entscheiden, ob eine Lösung für sie oder ihn eine gute Lösung ist. Ich schaffe konkret und kommunikativ einen Rahmen, in dem ein gegenseitiges Verstehen und miteinander Arbeiten an einer Lösung möglich wird. Als Mediatorin habe ich eine allparteiliche Haltung, d.h. ist bin für alle Parteien gleichermaßen da. Es ist wichtig, sich in jede Person hineinversetzen zu können, um zu verstehen, warum sie genau auf diese Art und Weise agiert.

Du bietest auch Moderatio an. Wo ist der Unterschied zwischen Moderation, Mediation und Schlichtung?

Der Unterschied zwischen einer Moderation und einer Mediation liegt hauptsächlich in der Situation. In der Mediation ist bereits ein Konflikt da, in dem die Beteiligten in einer Art Sackgasse stecken und externe Unterstützung durch ein klar strukturiertes Verfahren brauchen. Sie haben sich entschlossen, sich mit dem Konflikt der Mediatorin und dem Verfahren anzuvertrauen.

Bei einer Moderation geht es aus meiner Sicht mehr um eine Prozessbegleitung. Es kommen viele Menschen zusammen, die über ein Thema reden und auch Lösungen finden wollen. Hier ist es wichtig, eine klare Struktur zu schaffen. Wenn ich als Mediatorin eine Veranstaltung moderiere, bringe ich auch immer meine Haltung als Mediatorin mit und bin bemüht, Konfliktpunkte sichtbar zu machen und Interessen und Bedürfnisse zu formulieren, insofern gibt es oft für mich im konkreten Agieren viele Ähnlichkeiten.

Der Unterschied zur Schlichtung ist allerdings ganz deutlich. Als Schlichter schlage ich am Ende des Prozesses eine Lösung vor. Ich habe mir als Schlichter ein Bild von der Situation gemacht und äußere meine Meinung dazu. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Stuttgart 21, dort ist Herr Geisler als Schlichter aufgetreten. Dies kann zur Folge haben, dass die Lösung von den Beteiligten nicht für gut befunden wird und damit das Verfahren unbefriedigend ist. In der Mediation hingegen kommt die Lösung von den Beteiligten. Das macht die Ergebnisse besonders nachhaltig. Habe ich als Beteiligte eine Lösung für meinen Konflikt gefunden, stehe ich auch hinter der Lösung.

Bei allen drei Verfahren oder Formaten geht es darum, ein gegenseitiges Verstehen der verschiedenen Seiten und Blickwinkel herzustellen und dafür ist eine entsprechende kommunikative Ausbildung wichtig.

Gibt es Projekte, denen deine Arbeit nicht weiterhelfen konnte oder deren Aufträge Du abgelehnt hast?

Bisher hat es solche Situationen oder Aufträge bei mir nicht gegeben. Allerdings ist immer wichtig, dass auch die entsprechende Lösungsoffenheit da ist und es sich nicht um ein Alibi-Verfahren handelt. In einem Vorgespräch kläre ich mit dem Auftraggeber, ob Mediation das passende Verfahren ist und ob die notwendige Lösungsoffenheit besteht. Bemerkenswert finde ich, dass sich in der Mediation oft herausstellt, dass die Konflikte anders gelagert sind, als ursprünglich vom Auftraggeber wahrgenommen und formuliert wurden.

Auch wenn das Problem, mit dem die Personen zu mir gekommen sind, manchmal nicht komplett gelöst wird, so kann die Herangehensweise in der Mediation doch die Grundlage schaffen, dass wieder eine gemeinsame Kommunikation möglich ist.

Was sind Deiner Erfahrung nach wichtige Voraussetzungen für ein erfolgreiches Mediationsverfahren?

Wie eben schon gesagt, ist die Lösungsoffenheit wichtig und die Bereitschaft der Beteiligten, sich auf die Mediation einzulassen. Oft wird von einer Seite die Mediation gewünscht und die andere Partei steht dem ganzen skeptisch gegenüber. Oder die Mediation ist womöglich vom Chef für das Team „angeordnet“, dann ist es wichtig, am Anfang die Bedenken zu thematisieren und eine innere Freiwilligkeit zu schaffen. Es ist auch gut, die Beteiligten vor der Mediation, z.B. in einem Vorgespräch oder zu Beginn der Mediation zu fragen, was aus ihrer Sicht wichtig ist, damit die Mediation gelingen kann. Mediation beruht auf dem Grundsatz der Eigenverantwortlichkeit der Beteiligten. Sie werden darin gestärkt, ihre Situation selbst zu bearbeiten.

Manche Auftraggeber sehen in einer Mediation vielleicht auch Risiken, wie: finanzielle Verluste, Kontrollverlust, Missbrauch des Verfahrens durch andere Konfliktparteien…Was würdest Du darauf erwidern?

Wenn für einen Auftraggeber Kontrolle besonders wichtig ist und er oder sie als Vorgesetzte/r gewohnt ist, Lösungen vorzugeben, ist es sicher eine Herausforderung, die Kontrolle loszulassen. Wenn ich solche oder andere Bedenken heraushöre, ist für mich der erste Schritt, herauszuarbeiten, was genau die Person befürchtet und welche Interessen und Bedürfnisse dahinterstehen, um dann  – gemeinsam mit dem Auftraggeber – eine gute Vorgehensweise zu finden.

Würdest Du sagen, dass das Streben nach konstruktiver Kommunikation typisch weiblich ist?

Das ist eine spannende Frage, weil ich gar keine klare Antwort parat habe. Ein Schubladendenken liegt mir nicht und Unterschiede zwischen verschiedenen Frauen erlebe ich manchmal genauso groß wie unter Männern und Frauen. Ich glaube, dass die meisten Menschen danach streben, konstruktiv zu kommunizieren, nur wissen sie meist nicht, wie das geht. Frauen sagt man oft nach, dass sie sich eher Unterstützung holen, um besser mit Situationen umgehen zu können. Wenn ich die Genderaufteilung in meinen Seminaren beobachte, ist das allerdings meist relativ ausgeglichen.

Die Mediation baut auf dem Gedanken auf, dass jeder Mensch unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse und damit auch unterschiedliche Motive hat. Diese Motive werden geprägt durch Erziehung, Erfahrung und Gesellschaftsbilder. Das Motiv, über konstruktive Kommunikation ein harmonisches Miteinander und damit eine entspanntere Stimmung zu erreichen wird aus meiner Erfahrung bei vielen Frauen in der „Rangliste der Bedürfnisse“ weiter oben eingeordnet als bei vielen Männern. Aber in der Rolle als Mediatorin ist es mir wichtig, mich auf jede Person unvoreingenommen einzulassen und herauszuarbeiten, welche Motive sie antreibt und da werde ich noch immer überrascht, von dem was dann manches Mal sichtbar wird.

Nochmal zusammengefasst, wann würdest Du Projekten raten eine Mediation in Anspruch zu nehmen? Und was haben diese davon?

Sobald ein Konflikt auftritt, der nicht mehr allein gelöst werden kann. Dabei sind die Konflikte oft unterschwellig und äußern sich eher in der Stimmung und einer nicht funktionierenden Zusammenarbeit. Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, sich frühzeitig externe Unterstützung zu holen. Im Baubereich rate ich sogar zu einer mediativen Begleitung des Bauprojekts. Eine Mediatorin leitet die Baubesprechungen und kann so frühzeitig agieren, wenn sich erste Konflikte anbahnen.

Konflikte fressen Zeit und Geld, schaden damit dem Projekt und allen Beteiligten. Konflikte werden bisher noch immer häufig über Anwälte und vor Gericht ausgetragen. Dann dauert es lange, bis es zu einer Klärung kommt und danach besteht oft keine Möglichkeit mehr, zusammen zu arbeiten oder zusammen zu leben. Ein konstruktiver Umgang mit Konflikten schafft eine gemeinsame Perspektive, bei der es im besten Fall keine Verlierer gibt.

Vielen Dank Claudia! ????
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